Overhagener Forum 2013

Die moderne Demokratie, zu deren Werten sich die westliche Welt heute allgemein bekennt, entstand im 18. Jahrhundert in den USA: Dort wurde 1788 im Zeichen der Aufklärung mit der neuen Verfassungsordnung ein politisches System etabliert, das bis heute weltweit vorbildlich ist. Der erste amerikanische Präsident George Washington, der von 1789 bis 1797 amtierte, verstand das amerikanische Regierungssystem dabei als Gegenentwurf zur Monarchie des Königreichs Preußen. Das ist bemerkenswert, da doch Preußen während der fast fünfzigjährigen Regierungszeit Friedrichs des Großen, der 1740 den Thron bestieg, für lange Zeit das Muster eines toleranten und liberalen Rechtsstaates des Zeitalters der Aufklärung abgab. Den 1776 gegründeten demokratisch-republikanischen USA sagte der „Alte Fritz“ eine chaotische Zukunft und schließlich den Untergang voraus.

Friedrich der Große und George Washington formulierten ihre Standpunkte vor nahezu 250 Jahren, doch haben ihre unterschiedlichen Ansichten bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Denn auch wir fragen uns mitunter kritisch, ob und in welcher Weise die Demokratie in den nächsten Jahrhunderten überleben wird. Ist die Regierungsform der Volksrepublik China, die auf die Alleinherrschaft einer privilegierten politischen Partei setzt, vielleicht zukunftsfähiger als das vom Parteiengezänk geprägte Regierungsmodell der westlichen Demokratien? Werden in den vom arabischen Frühling erfassten Staaten die Diktatoren zurückkehren oder wird dort auf lange Sicht die Demokratie siegen? Eine Auseinandersetzung mit den beiden von Friedrich dem Großen und George Washington repräsentierten Varianten der politischen Aufklärung kann möglicherweise einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Antworten auf drängende politische Fragen der Gegenwart zu finden.

Overhagener Forum Referent

Jürgen Overhoff, geboren 1967 in Lippstadt, studierte in Berlin und London Neuere Geschichte, Evangelische Theologie, Philosophie und Politologie. 1997 wurde er in Großbritannien an der University of Cambridge im Fach Geschichte promoviert. Heute lehrt er an der Universität Hamburg und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Neuere Geschichte und Historische Pädagogik. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen eine Biographie über Benjamin Franklin (2006) und seine Arbeiten über Friedrich den Großen. Zuletzt erschien seine Doppelbiographie „Friedrich der Große und George Washington. Zwei Wege der Aufklärung“. Stuttgart, Klett-Cotta 2011 (2. Aufl. 2012).

Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr und findet in der Pausenhalle der Schule statt. Wie immer freut sich das „Overhagener Forum“ über jeden interessierten Besucher.