Arthur Millers „A View from the Bridge“ auf der Studiobühne in Lippstadt.

Robert VarkentinEddie Carbone (Robert Varkentin) ist von seinem Besuch nicht allzu begeistert. „He sings, he cooks, he makes dresses“, ätzt er über Rodolpho (Simon Hajduk). Die Botschaft ist klar: Wer auf so „weibisches“ Zeug spezialisiert ist, kann kaum ein richtiger Mann sein.

Doch tatsächlich befürchtet Eddie das genaue Gegenteil. Denn Eddie hat über die Jahre eine an Besessenheit grenzende Zuneigung zu seiner Nichte Catherine (Emily Chudalla) entwickelt – doch die knapp 18-Jährige interessiert sich viel mehr für Rodolpho.

Es ist eine sehr explosive Figurenkonstellation, die Arthur Millers Drama „A View from the Bridge“ (1955) zugrunde liegt. Die Drama Group des Gymnasiums Schloss Overhagen präsentierte den Klassiker am Montag mit beachtlicher Intensität bei den „Schultheatertagen“ auf der Lippstädter Studiobühne.

Miller hat seine Geschichte im Milieu italienischer Einwanderer in Brooklyn angesiedelt. Auch in diesem Schmelztiegel brodelt es. Zu Beginn beschreibt Anwalt Alfieri (Philipp Darscht) die gewalttätige Vergangenheit dieser Community, die sich nur sehr langsam daran gewöhnen konnte, ihre Konflikte nach den Regeln des Gesetzes auszutragen.

Der Haushalt der Carbones wirkt da zunächst fast wie eine Oase der Harmonie. Eddie und seine Frau Beatrice (Zoe Gargin) ziehen äußerst liebevoll ihre verwaiste Nichte Catherine auf. Und als Beatrices Cousins Rodolpho und Marco (Jan-Valentin Pauw) als illegale Immigranten ins Land kommen, erweist sich Eddie als hilfsbereit und gastfreundlich. Bis seine heimlich begehrte Nichte und Rodolpho unverkennbar Gefühle füreinander entwickeln und es zur Katastrophe kommt.

Drama-Group-Leiter Michael Rennekamp setzt in seiner konzentrierten Inszenierung ganz auf seine ebenso engagierten wie überzeugenden Jungdarsteller. Motor der Inszenierung ist Robert Varkentin, der seinen Eddie als einen im Grunde gutmütigen, aber von einer völlig unkontrollierbaren Leidenschaft beherrschten Mann zeigt. Seine von viel Spielwitz beflügelte Darstellung ist manchmal arg nah am Komödiantischen, aber insgesamt doch sehr mitreißend.

SzenenbildDen ruhigen, auf Ausgleich bedachten Gegenpol zum aufschäumenden Temperament ihres Mannes bildet Beatrice, die von Zoe Gargin sehr überzeugend verkörpert wird, während Emily Chudalla der Verletzlichkeit ihrer Catherine beeindruckend Ausdruck verleiht. Akzente setzt auch Jan-Valentin Pauw, dessen Marco immer deutlicher anzumerken ist, wie hinter der stoischen Fassade die Wut hochkocht — bis es zur Explosion kommt und er Eddie, der ihn und Rodolpho bei der Einwanderungsbehörde verpfiffen hat, ersticht.

Ein Happy End gibt es dagegen für die GSO Drama Group, die für die gelungene Aufführung mit viel Applaus belohnt wird.

Quelle: Der Patriot Lippstadt, vom 08.06.2016

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